Grünkohl wächst schnell, ist genügsam und gedeiht auf magerem Boden – typisch norddeutsches Understatement. Wie bei allen Kohlarten – außer bei Blumenkohl und Broccoli – werden im zweiten Jahr Blüten gebildet. Dabei werden große Blütenstände mit vielen gelben Blüten ausgetrieben. Nach der Befruchtung (die Geschichte mit den Bienchen) entstehen Schoten mit vielen Samen.
Jungpflanzen können ab Mai im Frühbeet gezogen werden. Der Boden sollte gut vorbereitet und sein pH-Wert neutral sein. Dazu vorher einfach Kompost und Hornspäne (Abfallprodukt der Rinder-Pediküre) darüber streuen. Sollte der Grünkohl im späteren Jahr Mangelerscheinungen zeigen (etwa durch die Gelbfärbung der Blätter), ist eine entsprechende Nachdüngung erforderlich, dann fühlt er sich wieder saukohl. Jungpflanzen werden in einem Abstand von 40 mal 80 cm gesetzt.
Der Kohl säu… (pardon, trinkt) wie ein Loch – natürlich nur Wasser. Deckt man den Boden zwischen den Pflanzen mit Mulch ab (wie Grasschnitt, Beinwell, Brennessel), verzögert dies die Verdunstung und erspart den einen oder anderen Gießgang. Aber solche faulen Tricks haben Sie doch nicht nötig, liebe Studierende, oder?
Der Kohl ist ein ausgeglichenes, robustes Gemüse, aber vor einigen seiner Feinde gruselt er sich richtig. Diese Ängste haben Regisseure zu Werken wie „Die weiße Fliege“ oder „Wenn der Kohlweißling zweimal klingelt“ inspiriert. Hitchkohlk ist der beliebteste unter ihnen.
Eine Grünkohl-Krankheit ist die Kohlhernie. Sie kann eine Ernte sofort vernichten und die betroffene Fläche für Jahre für den Kohlanbau unfruchtbar machen. Um sich von dieser Bedrohung abzulenken, schaut der Grünkohl auch gern mal Romantisches wie „Kohlsablanca“ oder „Kohltanic“. Positive Gefühle stärken bekanntlich die Immunabwehr.
Wenn Sie, liebe Studierende, alles richtig gemacht haben, entwickelt sich im ersten Jahr eine dicht beblätterte Sprossachse, die je nach Sorte und Erntetermin eine schwindelerregende Höhe von bis zu einem Meter erreichen kann. Bis dahin schleicht der Gärtner ungeduldig um ihn herum, päppelt und düngt ihn.
Ganz Neumodische stopfen unseren Grünkohl dazu einfach in die Tiefkühltruhe, das hat denselben Effekt. Böse Zungen gehen auf Kohlfrontationskurs und behaupten, das Bittere sei aus den neuen Sorten weggezüchtet worden. Doch diese Diskussion macht den Kohl auch nicht fett: Tatsache ist, Grünkohl ist ein Wintergemüse und will im Winter geerntet werden, von Ende Oktober bis Februar. Und da ist es kalt, meistens jedenfalls.