Multikohlturell: Kohl ist gesellig und verträgt sich mit vielen Gemüsen, besonders gern hängt er auf dem Markt herum und verkohlt seine Standgenossen.
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Lektion 3: Querbeet

Kohl it yourself

Grünkohl wächst schnell, ist genügsam und gedeiht auf magerem Boden – typisch norddeutsches Understatement. Wie bei allen Kohlarten – außer bei Blumenkohl und Broccoli – werden im zweiten Jahr Blüten gebildet. Dabei werden große Blütenstände mit vielen gelben Blüten ausgetrieben. Nach der Befruchtung (die Geschichte mit den Bienchen) entstehen Schoten mit vielen Samen.

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„Im Beet geht es oft multikohlturell zu und her: Der Grünkohl verträgt sich ausgezeichnet mit Tomaten, Stangenbohnen, Spinat oder Erbsen. Zwiebeln und Knoblauch kann er nicht riechen. Und es gilt das oberste Gebot: Du sollst keinen anderen Kohl neben mir haben.“ Hermann, Grünkohlbauer

 

Jungpflanzen können ab Mai im Frühbeet gezogen werden. Der Boden sollte gut vorbereitet und sein pH-Wert neutral sein. Dazu vorher einfach Kompost und Hornspäne (Abfallprodukt der Rinder-Pediküre) darüber streuen. Sollte der Grünkohl im späteren Jahr Mangelerscheinungen zeigen (etwa durch die Gelbfärbung der Blätter), ist eine entsprechende Nachdüngung erforderlich, dann fühlt er sich wieder saukohl. Jungpflanzen werden in einem Abstand von 40 mal 80 cm gesetzt.

Der Kohl säu… (pardon, trinkt) wie ein Loch – natürlich nur Wasser. Deckt man den Boden zwischen den Pflanzen mit Mulch ab (wie Grasschnitt, Beinwell, Brennessel), verzögert dies die Verdunstung und erspart den einen oder anderen Gießgang. Aber solche faulen Tricks haben Sie doch nicht nötig, liebe Studierende, oder?

Psychokohlgie

Der Kohl ist ein ausgeglichenes, robustes Gemüse, aber vor einigen seiner Feinde gruselt er sich richtig. Diese Ängste haben Regisseure zu Werken wie „Die weiße Fliege“ oder „Wenn der Kohlweißling zweimal klingelt“ inspiriert. Hitchkohlk ist der beliebteste unter ihnen.

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Werner, Kohlkönig: „Du, Regine, hast du Lust auf Kino heute Abend? Es läuft mal wieder ,Kohltanic‘.“
Regine, Kohlkönigin: „Du meinst den Film mit Leonardo di Kohlprio? Glaubst du nicht, der ist zu gefühlkohl für unsere doch rein professionelle Beziehung?“
Werner: „Ok, dann doch vielleicht lieber Hitchkohlk, aber dann auch nicht ankuscheln, wenn Du Schiss kriegst …“

 

Eine Grünkohl-Krankheit ist die Kohlhernie. Sie kann eine Ernte sofort vernichten und die betroffene Fläche für Jahre für den Kohlanbau unfruchtbar machen. Um sich von dieser Bedrohung abzulenken, schaut der Grünkohl auch gern mal Romantisches wie „Kohlsablanca“ oder „Kohltanic“. Positive Gefühle stärken bekanntlich die Immunabwehr.

Koohles Ende

Wenn Sie, liebe Studierende, alles richtig gemacht haben, entwickelt sich im ersten Jahr eine dicht beblätterte Sprossachse, die je nach Sorte und Erntetermin eine schwindelerregende Höhe von bis zu einem Meter erreichen kann. Bis dahin schleicht der Gärtner ungeduldig um ihn herum, päppelt und düngt ihn.

Ganz Neumodische stopfen unseren Grünkohl dazu einfach in die Tiefkühltruhe, das hat denselben Effekt. Böse Zungen gehen auf Kohlfrontationskurs und behaupten, das Bittere sei aus den neuen Sorten weggezüchtet worden. Doch diese Diskussion macht den Kohl auch nicht fett: Tatsache ist, Grünkohl ist ein Wintergemüse und will im Winter geerntet werden, von Ende Oktober bis Februar. Und da ist es kalt, meistens jedenfalls.

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Foto: Verena Brandt

„Liebe Studierende der Grünkohl-Akademie Oldenburg,
für das folgende Kapitel bitten wir Sie, sich umzuziehen: Wir treffen uns im Garten mit Sonnenhut, Labber-T-Shirt, Gartenschürze, alter Jeans, Knieschonern und Gummistiefeln. Und dann ab ins Beet! Noch ein Hinweis, bevor wir beginnen: das folgende Kapitel handelt von Fort-Pflanzung und ist daher für Personen unter 18 Jahren nicht geeignet.“
Dr. Renate Beckmann

 

Video: Grünkohlkochen

 

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Der Kohl ist ein tapferes Gemüse. So ist eine der Grünkohl-Saatensorte nach dem Apatschen-Häuptling Winnetou benannt. Der lauerte im Grünkohlfeld auf den Feind und sagte die historischen Worte: „Durch diese hohle Gasse muss er kommen.“ Oh, böse E-Mail-Zuschriften erreichen uns, da haben wir wohl etwas verwechselt. Wer hat’s erfunden?

 

Kohlboy und Indianer

Wer kennt ihn nicht, den edlen und tugendhaften (also sozusagen deutschen) Indianerhäuptling Winnetou? Nach ihm ist ein Grünkohlsaatengut benannt. Ein Zufall? Nein, denn wie der Apatschenchef zeichnet sich diese Sorte durch ein nobles Erscheinungsbild, durch Sandfestigkeit und Widerstandsfähigkeit aus. Mit 80 cm Höhe lässt sie sich auch bei tiefem Schnee ernten (vgl. dazu Winnetou IV „weißglänzender Schnee…“). Von Karl May wissen wir, dass „Winnetou“ so viel wie „Brennendes Wasser“ (vulgo: Korn) heißt. Und dieses spielt bei Grünkohlfahrten eine nicht zu unterschätzende Rolle, wie Sie, liebe Studierende, wissen.  (Nach: Michael P. Hopp, „Oldenburger Grünkohl-Brevier“, Oldenburg 2010.)
Wem das alles zu kompliziert ist, der kann auch auf die Saat namens Kobolt, Reflex, Winterbor, Redbor oder Lerchenzungen zurückgreifen. Die Geschichten dazu erfahren Sie im Seminar Kohlmärchen an der Grünkohl-Akademie Oldenburg.

 

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„Wenn alle über den ersten Frost jammern, reibt sich der Grünkohlbauer die Hände. Dann frieren nämlich die Kohl knabbernden Nacktschnecken und verschwinden – vermutlich zum Pullover-Shoppen in die Stadt. Je länger die Temperaturen unter plus sieben Grad sind, desto mehr Zucker reichert sich in den sonst bitteren Blättern an, und desto leckerer schmeckt der Kohl.“
Hermann, Grünkohlbauer

 
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